Faszinierende Melange, perfekt präsentiert

Der Bonner Kammerchor bietet unter dem Motto „Songs“ im Stadtmuseum Kompositionen von Brahms bis Poulenc dar

Siegburg. „Der Sang, der klingt so schauerlich, der klingt so wild, so trübe...“ So heißt es in Brahms „Der Jungbrunnen“. Reiner Genuss war dagegen der Gesang, den der Kammerchor Bonn im Stadtmuseum Siegburg darbot. „Songs“ heißt schlicht das Programm der Sängerinnen und Sänger, dahinter verbirgt sich aber eine spannende und oft überraschende Mischung von Liedern durch alle Epochen und Stilrichtungen. Unter der Leitung von Philipp Ahmann entstanden Klangerlebnisse, wie sie nur ein sehr professioneller Chor bieten kann.

Eröffnet wurde der Abend von verspielten Liedkompositionen von Francis Poulenc. Französische Texte, volkstümliche Lieder und variantenreiche Stimmführung mit teils dramatischen Zuspitzungen trugen den Zuhörer davon. Der gemischte Chor interpretierte brillant die Mischung aus klassischer Kammermusik mit dadaistischen Elementen. Besonders bei „Les Tisserands“, einem Lied über Weber, wird diese faszinierende Verknüpfung deutlich. Das Publikum war begeistert. Brahms hingegen interpretiert der gemischte Chor klassisch. Chorleiter Ahmann führte die Sänger mit sicherer Hand, seine Erfahrung ist deutlich erkennbar. Die Flexibilität des Chors ist beachtlich, und der hohe Anspruch, mit dem hier gearbeitet wird, wurde beim Konzert des mittlerweile international bekannten Ensembles deutlich. Bedauerlich, dass die Ränge im Stadtmuseum nicht entsprechend gefüllt waren. Das Publikum durfte mit „Story“ von John Cage erleben, wie nur vier Textzeilen zu einen besonderen und äußerst überraschenden Hörerlebnis werden können. Cage gilt als Wegbereiter einer neuen Form von Musik und ist einer der bedeutendsten Komponisten der Neuzeit. Welch ein spannender Kontrast zu Brahms.

Ravel fand ebenso seinen Platz im Ablauf wie ein Werk von Max Reger, welcher in der Vertonung von „Königskinder“ ein Volkslied neu belebte und in seiner Kompositionsweise Brahms wieder näher ist. Ein überaus gelungener Kammermusikabend im Stadtmuseum Siegburg. Sollte es wieder zu einem Gastspiel kommen, so ist dem Chor ein größeres Publikum zu wünschen. Enttäuscht würde es ganz sicher nicht.

Bonner Generalanzeiger, 28.02.2012

Cantabonn

Von Mathias Nofze

St. Marien. Der biblische Schöpfungsgeschichte – wie soll man ihr musikalisch begegnen? Auf Augenhöhe, dachte sich der amerikanische Komponist Aaron Copland und entschied sich für ein Chorwerk, das mit seinen monumentalen Ausmaßen, seiner aufrüttelnden Kraft und seiner Erhabenheit dem Mythos zu entsprechen schien.

Nur wenige Chöre wagen es, diesen gigantischen A-cappella-Brocken mit dem Titel »In the beginning« zu stemmen. Der Bonner Kammerchor tat es jetzt in St. Marien in Bad Godesberg und bewies dabei einmal mehr ein eindrucksvoll hohes Niveau. Copland schrieb das Stück 1947 mit Blick auf die Befreiung Europas vom Nazi-Terror.

Ritornellartige, im Sprechduktus gehaltene Passagen kündigen die jeweiligen Schöpfungstage an, einer Mezzosopranistin (Alexandra Thomas nuancereich und expressiv) sind die Verkündigungen Gottes zugedacht, die einzelnen Schöpfungsszenen nutzt Copland zu Klangbildern von faszinierender Eindringlichkeit.

Dem Chor unter Philipp Ahmann gelang eine überaus eindringliche Wiedergabe. Trotz manchmal höchster Kraftentfaltung war der satte Chorklang so gut wie nie gefährdet, gerieten zarte Partien wunderbar transparent. Schön gerundeten, dabei plastisch deklamierenden Chorgesang hatte man zuvor bereits in Mendelssohns berühmten »Richte mich Gott« bewundern können.

Das Thema »Licht« respektive den Schöpfungsgedanken (und damit auch das Motto des Festivals CantaBonn, in dessen Rahmen das Konzert stattfand) nahmen auch Gustav Mahlers »Urlicht« (in der Bearbeitung von Clytus Gottwald) und David Langs »Evening morning« auf.

Langs Komposition bildete in seiner minimalistischen Klangsprache, die stets ähnliche Motive prismatisch neu beleuchtet und damit den Eindruck von Zeitlosigkeit hervorruft, einen reizvollen Gegenpol zu Coplands Breitwandgemälde.

Nicht das Licht des beginnenden Lebens, sondern das »Lux aeternam« nach dem Tod thematisierten Werke von Brahms, Elgar und Jaakko Mäntyjärvi, die gleichfalls bewegende Darstellungen erfuhren. Mäntyjärvi widmete das »Canticum Calamitatis Maritimae« den Opfern des Fährunglücks 1994 in der Ostsee, als die Autofähre »Estonia« sank und dabei mehr als 900 Menschen in den Tod riss.

Bonner Generalanzeiger, 28.06.2010

Ewiges Licht

Bonner Kammerchor im Weggental

Rottenburg. Vom ersten Takt an erfreute der Bonner Kammerchor am Samstagabend die hundert Besucherinnen in der Walfahrtkirche Weggental mit zugleich präziser und lebhafter musikalischer Gestaltung. Die vierzig Sängerinnen und Sänger unter der Leitung des vorzüglichen Dirigenten Philipp Ahmann hatten ein originelles Programm zum Thema »Licht« einstudiert.

Es begann mit Mendelssohns achtstimmiger Psalmvertonung »Richte mich, Gott«. Dynamisch ideal ausgewogen waren die Wechselgesänge zwischen Frauen- und Männerstimmen, durch ihre samtweiche Qualität besonders berückend die Legato-Überblendungen der Tenöre und Bässe. Der dritte Vers, »Sende dein Licht«, führt dann erstmals Männer- und Frauenstimmen zusammen. Leuchtkräftig intonierte der Chor den Wechsel von Moll zu Dur, geschmeidig gelang der Übergang zum Andante-Tempo und Dreiachtel-Takt, kräftig das finale Fortissimo.

Eins der längsten A-cappella-Werke überhaupt ließ der Chor folgen: Die einsätzige Motette für Mezzosopran-Solo und vier- bis achtstimmigen Chor »In the beginning« von Aaron Copland, eine Vertonung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Die Solisten Alexandra Thomas erwies sich als Idealbesetzung. Klug disponierte sie die Steigerungen, vom entspannten, freundlichen Erzählton der Einleitung über die erregte (»fast atemlos« schreibt der Komponist vor) Nervosität bei der Schaffung der »Lichter am Himmel« bis zum großen, ausdrucksstarken Solo bei der Stelle, die von der Erschaffung des Menschen berichtet.

Aufregend im besten Sinn klang das Gegeneinander von hohen fis der Solistin und dem kräftigen Chor-Tutti, als »die großen Lichter« geschaffen werden, Sonne und Mond. In elegant geschwungenen Bögen sangen die Bässe vom entstehenden Meeresgetier, simultan die Frauenstimmen vom »fowl that may fly above the earth« (Vögel sollen fliegen auf Erden). Diskret swingte der Chor beim Abschnitt, der dem Menschen die Herrschaft über die Erde verleiht, machtvolles, enorm klangschönes Fortissimo zum Schluss: »And man became a living soul – Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen«.

Staunenswert zahlreiche Pianoabstufungen und Farbwirkungen wurden in der Mahler-Bearbeitung »Urlicht« von Clytus Gottwald für acht- bis neunstimmigen Chor erziehlt. Die Aufführung der Sängerinnen und Sänger aus Bonn stand der Referenz-Interpretation durch das Südwestrundfunk-Vokalensemble in nichts nach.

Höhepunkt der zweiten Programmhälfte war das Requiem für die Opfer des Untergangs der Autofähre Estonia 1994 von Jaakko Mäntyjärvi, »Canticum calamitatis maritimae«. Den Requiem-Abschnitt »lux aeterna luceat eis – Das ewige Licht leuchte ihnen« wiederholte der Chor flüsternd, während ein Solosopran zum Lamento anhob. Auch in Brahms' Motette »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen« überließ der Chor keinen Takt der bloßen Routine. Anhaltender Beifall für Solistin und Chor.

Südwestpresse, Regionale Kultur, 07.06.2010

Kammerchor besingt die Schöpfung

Von Angela Baum

Rottenburg. An die hundert Zuhörer kamen am Samstagabend in die Wallfahrtskirche Weggental, um zwei Stunden wunderbarer Kammermusik zu genießen. Dabei stand die Schöpfungsgeschichte im Mittelpunkt. Unter dem Motto »Ins Licht« begeisterte der Bonner Kammerchor am Samstagabend die Besucher.

Die zeigten sich begeistert von den Darbietungen der Sänger. Achtstimmig sang der Chor unter der Leitung von Philipp Ahmann zum Auftakt den 43. Psalm »Richte mich Gott« in der Fassung von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Werk schwankt zwischen zweifelndem Bitten und glaubendem Vertrauen. Diese Zerrissenheit arbeiteten die Sänger wunderbar heraus.

Einer der Höhepunkte des Konzertabends war sicherlich der Schöpfungsgesang des Chores »In the beginning« von Aaron Copland. Zugrunde liegt der Komposition der englische Bibeltext der Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis. Die Mezzosopranistin Alexandra Thomas sang die Geschichte von der Erschaffung der Welt und des Menschen im Wechsel mit dem gemischten Chor. Strahlend und eindringlich war der Gesang – Aaron Copland schrieb das Werk 1947 unter dem Eindruck der Schreckensherrschaft der Nazis. Der überwiegende Teil des Werkes wird durch einander abwechselnde Passagen von Mezzosopran und vierstimmigen Chorsatz gestaltet. Die Solistin übernahm dabei den Part der Verkündigungen Gottes. Lebendig und spannungsreich ahmte die Musik das Aufblitzen der Sternenlichter am Himmel, das lebhafte Fließen des Wassers oder die Lebewesen im Meer nach.

Von David Lang stammt das Werk »Evening Morning Day« für einen A Capella-Frauenchor. Hier sangen die Frauen des Bonner Kammerchores, die Unisono oder im Sprechgesang agierten. David Lang setzt sich in seiner modernen Komposition mit der Schöpfungsgeschichte auseinander und lässt im Text nur die Nomen übrig. Sentimentaler Gegenpol hierzu war Gustav Mahlers Werk »Urlicht«, das die Sänger zart und fein interpretierten. Eine der vierzehn Enigma-Variationen für achtstimmigen gemischten Chor bearbeitete John Cameron, wobei er das Rätselhafte der Komposition nachzeichnet. Ein flehentlicher Tonfall und samtige, pastellfarbene Klänge prägten das Werk.

Höhepunkt des zweiten Teils des Konzertes war das Werk des finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi über den Untergang der Autofähre Estonia im Jahr 1994. Zuerst hörte man nur das Hauchen der Sänger, ein »Lalalala« einer einzelnen Sängerin kam hinzu. Mit Summen wurde das Säuseln des Windes nachgeahmt. Dann erzählte der Chor die tragische Geschichte vom Sinken der Estonia, wobei der Gesang in lateinischer Sprache erklang. Dramatisch und spannungsgeladen agierten die Musiker hierbei. Mit der Motette »Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen« von Johannes Brahms endete das virtuose Konzert des Bonner Kammerchores.

Stuttgarter Nachrichten, 07.06.2010

Namen-Jesu-Kirche – Musik zur Marktzeit

Von Mathias Nofze

In eine betörend schöne Klangwelt führt Eric Whitacres Chorwerk »Lux Aurumque« den Hörer. Akkorde werden zu magischen Gebilden, die matt schimmern oder prismatisch leuchten. Das Werk verbreitet eine mystische Aura, ähnlich dem »O magnum mysterium« von Morten Lauridsen. Mit dem Bonner Kammerchor fand das Stück einen äußerst klangsensiblen, fabelhaft rein und und tonschön singenden Interpreten.

Das Ensemble unter der Leitung von Philipp Ahmann gastierte in der letzten »Musik zur Marktzeit« in der Namen-Jesu-Kirche und bot in dem vollbesetzten Gotteshaus eine »Musik zum Advent«, die mit Brahms' Motette »Es ist das Heil uns kommen her« begann. Das von Brahms' Bachverehrung zeugende Stück erklang mustergültig, was die Balance von Klangfülle und Durchsichtigkeit betrifft.

Nicht anders in Mendelssohns Doppelchor »Warum toben die Heiden?«, der mit kraftvoller Eleganz und rundem Klang gesungen wurde. Den Favoritchor konnte Ahmann mit kompetenten Solisten aus eigenen Reihen besetzen.

Dass die Stimmgruppen des Ensembles wunderbar ausgeglichen und schlackenfrei klingen, konnte man nicht zuletzt in Distlers quellklar und federnd dargebotenen Choralvariationen über »Joseph, lieber Joseph mein« bewundern.

Purer Ohrenschmaus waren schließlich Duruflés demütiges »Ubi caritas«, Kodàlys hochgestimmtes »Veni Emmanuel« und Griegs inniges »Ave maris stella«.

Bonner Generalanzeiger, 21.12.2009

Das Spiel mit der Zeit

Der Bonner Kammerchor in St. Maria Magdalena

Von Christian O. Gazsi Laki

»Komm, süßer Tod, komm, sel'ge Ruh!« schallt es in sphärenhaften Klängen aus fünf Richtungen in der Kirche St. Maria Magdalena. So klingt es, wenn Knut Nystedt (geboren 1915) sich in seinem Werk »Immortal Bach« von Johann Sebastian Bach inspirieren lässt – ein Spiel mit der musikalischen Zeit, das den meditativen Mittelpunkt beim Saisonauftakt des Bonner Kammerchors bildete. Das überaus gelungene Konzert unter der Leitung Philipp Ahmanns stand vornehmlich im Zeichen des Mendelssohn-Jahres. So war es nahe liegend, auf die geistige, interpretations- oder auch kompositionsgeschichtliche Achse Bach-Mendelssohn zu setzen. Ein gutes Konzept, wenn die Wahl der Werke sich derart harmonisch ineinanderfügt wie an diesem Abend.

So wirkte neben Bachs Motette »Der Geist hilft unser Schwachheit auf« (BWV 226) und Mendelssohns »Denn er hat seinen Engeln befohlen« (Elias) Schönbergs spätromantisches Chorwerk »Friede auf Erden« nicht als Fremdkörper, vielmehr als schlüssige Konsequenz. Gesungen wurde dabei auf höchstem Niveau. Der Chor überzeugte nicht nur durch wunderbare Detailarbeit, sondern auch durch die Kunst, in großen Bögen zu gestalten.

Ähnliches lässt sich auch vom Organisten Johannes Trümpler sagen. Kernig und wohltuend transparent waren seine Interpretationen von Präludien und Fugen von Bach und Mendelssohn.

Bonner General-Anzeiger, 12.10.2009

Rund um Shakespeare

Der Bonner Kammerchor in der Uni-Aula

Von Guido Krawinkel

Ein Programm mit Shakespeare-Vertonungen hatte der Bonner Kammerchor zusammengestellt, und wie meist, wenn dieses Ensemble in Erscheinung tritt, hatte man viel Mühe darauf verwendet, musikalisch wie inhaltlich etwas ganz Besonderes zu bieten.

Im Zentrum des Konzerts in der Uni-Aula stand mit den »Sonnets and Interludes« von Michael Langemann für Chor und Streichsextett eine Uraufführung. Die konzentrierten und facettenreichen Stücke waren beim Kammerchor in den Besten Händen; das mit Isabelle Engels, Yeo Young Yoon (Violine), Werner von Schnitzler, Hiyoli Togawa (Viola) und Jakub Tylman und Kaori Yamagami (Violoncello) besetzte Streichsextett hinterließ hier ebenso wie im ersten Satz aus Ralph Vaughan Williams' Phantasy Quintett einen ausgezeichneten Eindruck.

Vielgestaltig war das Shakespeare-Repertoire, das man unter dem Dirigat Philipp Ahmanns präsentierte. Alte Meister wie Thomas Moreley und Thomas Tomkins waren genauso vertreten wie moderne Komponisten. Hier stachen besonders Jaako Mäntijärvis originelle Shakespeare Songs hervor, die der Kammerchor mit Witz, Leichtigkeit und Raffinesse gestaltete.

Aber auch sphärische Klänge und überirdische Entrücktheit in Steven Sametz' »When he shall die« kamen bestens zum Ausdruck. Insgesamt bestätigte der Bonner Kammerchor einmal mehr seine herausragende Stellung in der Bonner Chorlandschaft.

Bonner General-Anzeiger, 12.05.2009

Emotionale Anteilnahme

Finale beim Schumannfest

Mathias Nofze

St. Maria Magdalena – Der tief verschneite Wald – Postkartenidylle oder Albtraum? Bei Paul Eluard ist er letzteres. In seinem 1944 geschriebenen Gedicht »Un soir de neige« wird der düstere Forst zum Symbol für die Einsamkeit und Verlorenheit des Menschen. Francis Poulenc vertonte das Poem für gemischten Chor und bietet darin seine ganze Kunst raffinierter Harmonik auf.

Der Bonner Kammerchor unter Leitung von Philipp Ahmann sang das Werk im Abschlusskonzert des Endenicher Herbstes und lieferte in der Kirche Sankt Maria Magdalena eine ungemein eindringliche Interpretation. Das Ensemble besticht durch einen bewundernswert ausgeglichenen Gesamtklang und durch eine dynamische Bandbreite, die vom chorischen Hauch bis zum aufrüttelnden Fortissimo reicht.

Mit Brahms' »Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen« stand ein zweites, gewichtiges Chorwerk auf dem Programm. Das Stück gilt als Höhepunkt Brahmsscher Motettenkunst und erlebte eine mustergültige Wiedergabe, mit fabelhaft durchsichtiger, mitunter tänzerisch schwingender Kontrapunktik und hymnischer Kraft im Schlusschoral.

Das »Warum?« diente dem Programm auch als Leitfaden, worüber ein kluger Text im Programmheft informierte. Die dargebotenen Werke waren demnach als Vertiefungen der Brahms-Motette aufzufassen, Olivier Messiaens »O sacrum convivium« etwa, dessen mystischer Klangzauber sich dank staunenswerter Intonationsreinheit berückend entfalten konnte, Maurice Duruflés »Quatre Motets« oder das so engelsrein gesungene »Ave Maria« von Igor Strawinsky. Und mit Hingabe zelebrierte der Chor vier Brucknersche Motetten. »Diese Stätte ist von Gott gemacht«, heißt es da in einer, »es ist kein Makel an ihr«. Was auch für das Konzert galt.

Bonner General-Anzeiger, 11.11.2008

Mystische Momente

Rechtzeitig zu Beginn des Herbstwetters ging der Kultursommer zu Ende, wie er begonnen hatte: mit großer Musik im Altenberger Dom

Odenthal - Das gemischte Programm begann mit Verzögerung: Staus rund um Altenberg hatten nicht nur das Publikum stark beeinträchtigt, das im Dom das letzte Konzert des Kultursommers verfolgen wollte, sondern auch bei den Musikern für Lücken gesorgt. Doch als dann der Bonner Kammerchor unter Leitung von Philipp Ahmann begann, war von Lücken nichts mehr zu hören. Anton Bruckners A-Cappella-Motetten erklangen in himmlischer Reinheit und stimmlicher Wohlausgewogenheit. Die Intonation überzeugte bei jedem Ton, und gerade im gehaltvollen Piano gelangen dem kultivierten Ensemble wirklich mystische Momente. Bruckner hatte ja in diesem Kultursommer schon einmal den Dom erfüllt, aber gerade diese vier komplexen Motetten, die im grandios ausmusizierten »Ave Maria« gipfelten, nutzen die komplizierte Dom-Akustik sehr glücklich.

Für Brahms' »Vier ernste Gesänge« hatten die Bayer-Philharmoniker, die mit ihrem Dirigenten Rainer Koch im Mittelpunkt des Abschlusskonzerts standen, sich die Mezzosopranistin Ingeborg Danz geleistet. Sie hat eine weiche, sehr umfangreiche Stimme und gestaltete die Lieder extrem einfühlsam, mit starker, ausdrucksvoller Dynamik. Das riesige Werksorchester war blendend vorbereitet und spielte die etwas bläserlastige Orchestrierung in bewundernswerter Intonation, konnte allerdings nicht jedem Piano der Sängerin so folgen, dass die Klang-Balance immer ausgewogen war.

Zum Ausklang gab es Camille Saint-Saens' Orgelsinfonie. Das ist natürlich ein Werk wie für den Raum komponiert: irgendwo religiös, aber vor allem großartig und bombastisch, in der Monumentalbesetzung, bei der neben der Orgel sogar zwei Pianisten beschäftigt sind. Hier profilierten sich zu den Bläsern die Streicher des Orchesters, durchhörbar, spielfreudig, akzentreich. Rolf Müller übernahm als ortskundiger Organist den ergänzenden Part, problemlos, sehr passend einregistriert. Die vielen Ausführenden des Abends konnten mit dem stürmischen Applaus durchaus zufrieden sein. (D.M.)

Beeindruckend interpretierte Vokalwerke

Mathias Nofze

Sankt Marien. Wie klingt die Nacht? Still und friedlich oder angstvoll und bedrohlich? György Ligeti hörte aus den Nachtstunden das Beklemmende, Bedrückende heraus, sein 1955 entstandenes Chorstück »Nacht« (Éjszaka) schichtet Cluster um Cluster auf – von »Wäldern voll mit vielen Stacheln« spricht der Text –, verbindet sie mit monotonen Rhythmen, lässt den Klang anschwellen, schriller werden. Diesen Musik gewordenen Albtraum realisierte der Bonner Kammerchor in Sankt Marien in Bad Godesberg unter Leitung von Philipp Ahmann auf geradezu mustergültige Weise, nicht anders als das Gegenstück »Morgen«.

Die beiden Chorwerke lieferten das Motto für das gesamte, sehr durchdachte und aufschlussreiche Programm, das Chormusik aus Romantik, Spätromantik und Moderne von Schubert, Schumann, Brahms, Rheinberger und Reger unter dem Titel »Nacht und Morgen« enthielt. Der Kammerchor, besetzt mit 24 Frauen- und 16 Männerstimmen, erzielte ein überragend ausgewogenes Klangbild, das den filigranen, schwebenden Charakter etwa der Bearbeitung des Schumannschen »Mondnacht« wunderbar zur Geltung brachte. Insgesamt bewegten sich die Interpretationen auf allerhöchstem Niveau, was Klangkultur, Intonationssicherheit und Variabilität des Ausdrucks anlangt.

Zur Vielschichtigkeit des Programms trug das Aaron-Streichquartett mit Dvoraks »Zypressen« und Weberns Bagatellen bei. Der unvergessliche Abend endete mit der einzig möglichen Zugabe: »In stiller Nacht«.

Bonner General-Anzeiger, 17.06.2008

Ein zartes Wunderwerk aus Nuancen

Der Bonner Kammerchor überzeugt in St. Maria-Magdalena mit einem ausgefeilten »Lamenta«-Programm

Guido Krawinkel

»Lamenta« hatte der Bonner Kammerchor sein Programm betitelt, das er in der Endenicher Kirche St. Maria Magdalena präsentierte. Philipp Ahmann, schon auf dem Sprung nach Hannover, wo er ab der kommenden Saison neuer NDR-Chordirektor wird, hatte in bewährter Manier Altes und Neues kombiniert, so dass etwa Werke von Carlo Gesualdo und Francis Poulenc oder Heinrich Schütz und Johannes Brahms einträchtig nebeneinander standen.

Musikalisch zeigte sich der Bonner Kammerchor wie immer bestens vorbereitet, so brachten auch Gesualdos enharmonische Irrfahrten oder Poulencs zuweilen haarsträubende Modulationen die Intonation des Chores nicht ins Wanken.

Schütz' wortgezeugte Kompositionsweise kam ebenso gut zur Geltung wie beispielsweise der dramatische Impetus in Felix Mendelssohn Bartholdys Motette »Mein Gott, warum hast du mich verlassen«.

Mit Intermezzi für Saxophon Solo bereicherte Erik Nestler das Programm. Die vom programmatischen Kontext des Konzertes losgelösten Stücke von Eugène Bozza, Claude Debussy und Benjamin Britten setzten musikalische Kontrapunkte und fügten sich bestens in die dichte Atmosphäre des Programms ein.

Bonner General-Anzeiger, 17.03.2008

Kammerchor singt in Sankt Remigius

Konzert mit Pärt und Buxtehude – Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Stravinsky

Fritz Herzog

Des Mittags, zur Marktzeit, a cappella in St. Remigius, des Abends festlich, mit Orgel und dem Düsseldorfer Posaunenquartett in St. Maria Magdalena: Unter das Motto »Magnificat« hat der Bonner Kammerchor am Wochenende seine traditionelle Musik zum Advent gestellt.

Eingerahmt von zwei stilistisch höchst unterschiedlichen Vertonungen dieses psalmartig biblischen Lobgesangs auf die Jesu-Mutter Maria von Dieterich Buxtehude und Arvo Pärt, hatte der Chor unter Leitung von Philipp Ahmann weitere Werke zum Advent von Andreas Hammerschmidt, Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Thomas Adès und Igor Stravinsky präpariert.

Flankiert wurden diese von Choralbearbeitungen für Posaunenquartett und Orgelimprovisationen von Michael Otto. Sehr beweglich, mit luftig schlanker Stimmführung und sauberer Intonation und Artikulation behauptet der Bonner Kammerchor souverän seine Ausnahmestellung. Solistische Aufgaben (bei Mendelssohn) wurden aus dem Chor heraus (mit indes ein wenig dünnem Sopran) gestaltet.

Schwebendes Pianissimo und blitzsaubere Übergänge sind weitere Merkmale der hohen Gesangskultur. Ganz besondere Ausdrucksdichte entwickelt der Chor bei Pärts 1989 entstandenem Marienlob, wie überhaupt das 20. Jahrhundert neben Frigyes Hidas' »Scherzo e chorale« (ein Stück für Posaunenquartett) mit seinem punktierten Rhythmus, mit Thomas Adès' »The fayrfax coral« von 1997 oder selbst des »Sacre«-Komponisten Igor Stravinsky »Ave Maria«-Vertonung von 1949 das Chor-Repertoire anspruchsvoll erweitern. Als Zugabe gab's im Tutti Johann Sebastian Bachs »Wachet auf«.

Bonner General-Anzeiger, 3.12.2007

Engelgleich

Laura Engels

Ausnahmsweise mal nach Übersee richtete sich der Blick in der Herz Jesu Kirche am Postweg: Im Rahmen der Konzertreihe zum 100-jährigen Bestehen der Pfarrgemeinde gastierte der Bonner Kammerchor mit »Overseas« und präsentierte die hier wenig bekannte Chormusik des 20. und 21. Jahrhundert aus dem englischsprachigen Raum.

Die rund 40 Sängerinnen und Sänger legten unter Philipp Ahmann einen eindrucksvollen Einstieg hin. Gustav Holsts »Nunc dimittis« (1915) für Sopran und Tenor Solo und achtstimmigen gemischten Chor wendet sich der Renaissance-Musik zu und besticht vor allem durch die Verwendung modaler Skalen und einem antiphonischen Aufbau (Wechsel zwischen Männer- und Frauenchor).

»Christus vincit« (1994) von dem Schotten James MacMillan wurde für die St. Pauls Cathedral in London komponiert und ist durch Generalpausen gegliedert, die dem natürlichen Hall der Kathedrale Rechnung tragen. Auch in der Kirche am Postweg nahm sich der Chor die Zeit, den Klang immer wieder wirken und nachhallen zu lassen.

Ihre gute stimmliche Ausstattung stellten die Sängerinnen und Sänger auch bei Matthew Hindsons abschließendem »Home« (2001) unter Beweis. Die Verbindung von metrisch gebundener Melodie und improvisatorischer Begleitung im Hintergrund machte hier den besonderen Reiz aus. Fast fühlte man sich wie die Jungfrau und Märtyrerin Cäcilia aus dem dritten Jahrhundert, die in Benjamin Brittens »Hymn to St. Cecilia« (1942) porträtiert wird: Sie soll dem Himmel so nah gewesen sein, dass sie die Engel singen hören konnte.

Dieses außergewöhnliche Erlebnis belohnten die Zuhörer mit starkem Applaus, der lange nicht abbrach.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 05.05.2005

St. Elisabeth präsentiert »Hymn to St. Cecilia«

Mathias Nofze

»Heilige Cäcilia, erscheine allen Musikern als Traumbild«, lautet die Bitte im Refrain von Benjamin Brittens »Hymn to St. Cecilia« für Chor a-cappella auf einen Text von W.H. Auden. Um den friedlichen Schlummer des Tonsetzers ist es damit allerdings geschehen. »Und schrecke die komponierenden Sterblichen mit unsterblichem Feuer auf«, heißt es weiter.

Eine ebenso lodernde Intensität verlangt die beschwörende Musik von den Ausführenden. In der Kirche St. Elisabeth ließ der Bonner Kammerchor unter Philipp Ahmann in puncto Hingabe und Ausdruckskraft keine Wünsche offen. Britten fordert in dem ausgedehnten Stück die Sänger bis aufs Äußerste, versenkt die Bässe mal in abgrundtief schwarze Register, hebt die Sopräne in überirdische Höhen, die Partitur strotzt vor Schwierigkeiten und verschränkt musikalische Geschichte und Gegenwart auf magische Weise.

Dass der Chor angesichts der Herausforderungen in einigen Passagen an seine Grenzen stieß, kann da kein Vorwurf sein. Bewundern muss man vielmehr den ausgeglichenen, stimmlich schlanken Gesamtklang und die Flexibilität in der Gestaltung. Zudem konnte man erleben, dass der Chor in den eigenen Reihen über herausragende Solisten verfügt.

Der seit fast zwei Jahren amtierende Philipp Ahmann, der in Köln unter anderem noch die Kartäuser-Kantorei leitet, hatte ein Programm erarbeitet, das sich in Bonn nur sehr wenige Chöre zutrauen dürften. Es führte die Zuhörer »Overseas«, zu Chormusik aus dem englischsprachigen Raum, und hielt ein Plädoyer für verständliche, gleichwohl kunstvolle Musik.

Geheimnisvoll raunen die Klangflächen in Eric Whitacres »Songs of Faith«. Der Komponist formt darin Worte wie »Love« oder »Hope« zu minimalistischen Klangblöcken. Exaltierter und hermetischer wirkt »Christus vincit« von James MacMillan. Ein wenig Balsam für die Stimmbänder lieferte Gabriel Jacksons akkordsattes »O sacrum convivium«.

Chorjuwelen waren vier Motetten von Aaron Copland, die romantische Emphase mit Anleihen im Volkslied verbinden. Das Ensemble betörte mit duftigen Vokalisen, hymnischer Kraft und inniger Schlichtheit. Und dass sie improvisatorische Freiheiten kreativ zu nutzen verstehen, bewiesen die Sänger im Schlussstück: »Home« von Matthew Hindson.

Das gleiche Programm ist am 1. Mai, um 20 Uhr in St. Severin in Köln zu erleben.

Bonner General-Anzeiger, 30.04.2007

Vorbildliche Präzision

Der Bonner Kammerchor bei Cantabonn in St. Maria Magdalena

Guido Krawinkel

Dem Motto des Cantabonn-Festivals folgend war das Programm, mit dem der Bonner Kammerchor unter der Leitung von Philipp Ahmann in der Endenicher Kirche St. Maria Magdalena gastierte, spiegelbildlich angeordnet. Im Zentrum des Konzertes standen Messen von Giovanni Pierluigi da Palestrina und Frank Martin, die von Salve Regina-Vertonungen Francis Poulencs und Orlando die Lassos gerahmt und am Anfang und Ende des Konzertes durch Motetten von Tomàs Luis de Victoria und Olivier Messiaen über »O sacrum convivium« eingefasst wurden. War schon die Konzeption des Konzertes außerordentlich beziehungsreich und durchdacht, so gelang die musikalische Seite nicht viel weniger überzeugend.

Die Alte Musik ließ Ahmann von einer kleinen, kreisförmig aufgestellten Besetzung im Hochchor der halligen Kirche singen. Das war für die Abstimmung des Ensembles an sich zwar zweifelsohne sehr vorteilhaft, war doch der Gesamtklang von mustergültiger Reinheit und Einvernehmlichkeit sowie die Präzision absolut vorbildlich. Leider wurde die kunstvolle Polyphonie der Werke Victorias, Palestrinas und Lassos so auf ihre atmosphärische Komponente reduziert, Prozesse blieben trotz der auch-durch die schlanke Führung aller melodischen Linien mustergültige Interpretation bestenfalls erahnbar.

In einem weniger problematischen akustischen Umfeld und bei direkterem Kontakt zum Publikum wäre Ahmanns Kunstgriff sicherlich ein probates Mittel gewesen, so ging er leider auf Kosten der polyphonen Transparenz, Die modernen Werke sang man wie gewohnt mit direktem Kontakt zum Publikum und zeigte die bekannten Stärken: eine glasklare Intonation, die beispielsweise auch bei Messiaens Sakramentsmotette allen Widrigkeiten trotzte, und eine dynamische Bandbreite, die auch Martins eindrucksvolle Messe für Doppelchor zu einer Sternstunde mit luftig genommenen Spitzentönen und sonoren Tiefen werden ließ.

Bonner General-Anzeiger, 10./11. JUNI 2006

Philipp Ahmann dirigiert den Bonner Kammerchor

Mathias Nofze

REMIGIUSKIRCHE. »0 magnum mysterium« unter dieses Motto stellte der Bonner Kammerchor sein Konzert zur Marktzeit in St. Remigius, das auffallend gut besucht war. Gleich drei Vertonungen dieses Textes waren im Programm vertreten. In den samtigen Anfangsakkorden der ersten der vier Weihnachtsmotetten zur Weihnachtszeit von Francis Poulenc glaubt man das Mysterium geheimnisvoll schimmern zu sehen, jedenfalls, wenn sie so dunkel leuchtend erklingen, wie es dem Kammerchor gelang. Bereits in diesem Stück überzeugte das Ensemble durch fabelhafte Klangkultur und Intonationssicherheit. Die war noch stärker gefordert in Peter Maxwell Davies' »Magnum mysterium«, das ein dichtes Klangband aus dissonanten Reibungen webt. Ein heikles Stück, das vom Kammerchor unter seinem neuen Leiter Philipp Ahmann glänzend realisiert wurde. In spätromantischer Vorhaltsharmonik geradezu baden durfte das Ensemble schließlich in der »Mysterium« Vertonung von Morten Lauridsen. Ein sehr viel differenzierteres Vokabular nutzt Trond Kverno in seiner »Ave maris stella« Vertonung, in der er erregte Ostinati, ekstatische Steigerungen, psalmodierende Wendungen und liedhafte Melodik verbindet. Das Ensemble deutete die Vielschichtigkeit mit souveräner Gestaltungskraft aus. In Benjamin Brittens feinsinnig und ergreifend dargebotener »A hymn to the virgin« überzeugte zudem ein aus Chorsängern gebildetes Soloquartett. Alt und Neu verbanden sich schließlich in »Es ist ein Ros entsprungen« von Sven David Sandström. Den altehrwürdigen Liedsatz, der abschnittweise und im Zeitlupentempo erklingt, bettet er in eine gläsern wirkende Akkordlandschaft, die vom Kammerchor wunderbar schwebend gesungen wurde.

Bonner General-Anzeiger, 19.12.2005

Lieder zwischen Rührung und Basta

Ovationen für Peter Henn beim Abschied vom Bonner Kammerchor – Wehmut, aber auch Dankbarkeit für das Erreichte

Guido Krawinkel

Bonn. Eine Ära geht zu Ende. Fast ein Vierteljahrhundert hat Peter Henn den Bonner Kammerchor geleitet und zu einem Markenzeichen für qualitätsvollen Chorgesang gemacht. Nun muss er, kurz vor dem Jubiläum, der Gesundheit Tribut zollen und die Leitung in neue Hände geben.

Das Abschlusskonzert – sinnigerweise in der Aula der Bonner Universität, wo der Chor 1973 gegründet worden war – stand unter dem Motto »Lieder zwischen Rührung und Basta«, was die Stimmung und die wie immer vielfältige und beziehungsreiche Programmauswahl treffend beschrieb. Ein wenig Wehmut war zu spüren, aber auch Dankbarkeit für das Erreichte.

Mit dem »Lob der Träne« von Ernst Pepping, stand jenes Stück am Anfang des Konzertes, mit dem Henn sich vor 23 Jahren um die Leitung des Bonner Kammerchores beworben hatte. Seitdem hat Henn den Chor zu einer Institution gemacht und mehrfach bei Wettbewerben zum Erfolg geführt. Sein Markenzeichen ist der kultivierte und natürlich wirkende Ensembleklang, der polyphone Musik mit großer Transparenz durchhörbar werden lässt, für romantische Werke dagegen ein sattes klangliches Fundament bietet.

So etwa in Chören von Ralph Vaughan Williams: Glockenimitationen und komplexe Akkorde in »Full fathom five« waren farblich und klanglich optimal austariert, die raffinierte Harmonik und der monumentale Gestus in »The cloud-capp'd towers« verbanden sich zu einem Cinemascope-Sound mit wunderbar samtigen Schluss.

Die Kunst, jedes einzelne Werk eigenständig zu interpretieren, demonstrierte der Kammerchor auf ganz unterschiedliche Weise: Witzig und pointiert in der Chanson »Puisque tout passe«, gefühlvoll aber kitschfrei mit Werken der deutschen Romantik, unter anderem einem wirklich rührenden »Abschied vom Walde« von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Ungeahnte Qualitäten bewies Henn mit einem quasi halbszenischen Dirigat, als er mit drastischen Gesten ein Gewehr imitierend die schauerliche Moritat »Zum Tanze da geht ein Mädel« von Hugo Alfvén dirigierte: präzise, beschwingt und humorvoll sang man dieses köstliche Stück. Bereichert wurde das gut zweistündige Programm durch Bernhard Zapp, Violoncello, und Gregor Sommer, Klavier, die drei Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann spielten. Am Ende gab es in der fast voll besetzten Uni-Aula stehende Ovationen für Henn und den Chor.

Bonner General-Anzeiger, 20.06.2005

Anfang und Ende mit dem Lob der Tränen

Nach 22 Jahren gibt Peter Henn die Leitung des Bonner Kammerchors ab – In seiner Ära erreichte die A-cappella-Formation ein Niveau, das Vergleiche mit professionellen Ensembles nicht scheuen muss

Bernhard Hartmann

»Der Bonner Kammerchor war ein Glücksfall für mich«, lobt Peter Henn das Ensemble, dessen Leitung er vor 22 Jahren übernahm. Es fällt ihm daher nicht leicht, das Ensemble drei Jahre vor dem Silberjubiläum zu verlassen. Allerdings hätten gesundheitliche Probleme in den vergangenen Monate den Schritt notwendig gemacht, wie er jetzt in einem Gespräch im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, wo er als Musiklehrer wirkt, erklärte.

Den Bonner Kammerchor beschreibt Henn selbst als Laienchor mit professionellem Anspruch. Dass er damit nicht falsch liegt, haben nicht zuletzt die über die gesamte Ära verteilten nationalen und internationalen Wettbewerbserfolge gezeigt. 1985 hatte ein Formfehler den Sieg beim Deutschen Chorwettbewerb verhindert: »Ich hatte das falsche Pflichtstück einstudiert«, erinnert Henn sich heute mit einem Lächeln. Aber schon 1986 führte er seine Sängerinnen und Sänger im italienischen Arezzo ebenso zum Sieg wie beim Deutschen Chorwettbewerb 1990 in Stuttgart. Auch beim Landeschorwettbewerb 2001 in Hamm waren die Bonner erfolgreich.

Doch der Gesang des Kammerchors begeistert nicht nur die Ohren von Kritik und Juroren, sondern auch die des Publikums. Es gibt längst eine fest eingeschworene Stammgemeinde, die sich die Konzerte des Bonner Kammerchors nicht entgehen lässt. Die anspruchsvollen Konzertprogramme, in denen der Chor in Riesenschritten die Jahrhunderte des mehrstimmigen Gesangs durchschreitet, machen neben dem hohen Niveau ihrer musikalischen Umsetzung eine ganz besondere Attraktivität des Ensembles aus.

»Wir gehören zu der aussterbenden Gattung der Chöre, die sich noch regelmäßig einmal pro Woche treffen und sich Stücke über einen längeren Zeitraum erarbeiten«, sagt Peter Henn. Das habe auch eine starke soziale Komponente. Unter den etwa vierzig Mitgliedern finden sich alle Altersgruppen. Musiklehrer, Schüler, Studenten, Juristen, Naturwissenschaftler und Handwerker feilen gemeinsam am perfekten Chorklang. Die vielen Auslandsreisen, die den Chor unter anderem nach Russland, Japan, Italien, England, Skandinavien, Chile und zuletzt nach Ungarn führten, stärkten die Gemeinschaft. Und sie führten zu vielen Freundschaften mit ausländischen Chören, von denen einige auf Einladung der Bonner einen Gegenbesuch in der Beethovenstadt absolvierten.

Peter Henn wurde 1948 in Kinheim an der Mosel geboren, studierte in Köln neben Kirchen-, Schulmusik und Chorleitung auch Violoncello bei dem vor wenigen Tagen Tagen verstorbenen Siegfried Palm. In Bonn hat er sich der hauptberufliche Musiklehrer mit seinem Chor immer gut aufgehoben gefühlt. Als einen wichtigen Schritt für die Anerkennung der seiner Arbeit und die der Kollegen sieht er das im vergangenen Jahr erstmals veranstaltete Festival »CantaBonn«.

Das Motto des Abschiedskonzerts am Freitag, 17. Juni, 20 Uhr, in der Aula der Bonner Universität, ist typisch für Peter Henn: »Konzert zum Abschied – Lieder zwischen Rührung und Basta«, lautet. Romantische Kompositionen von Mendelssohn und Schumann sind da ebenso vertreten, wie Impressionistisches von Debussy und Ravel oder Alte Musik von Leonhard Lechner und Heinrich Isaac. Eröffnet wird das Konzert mit Ernst Peppings »Lob der Tränen«. »Vor 23 Jahren hatte ich mich mit diesem Stück beworben«, erzählt er. Das Konzert wird noch einmal am Sonntag, 19. Juni, 17 Uhr, im Innenhof der Wachtberger Burg Adendorf wiederholt.

Doch auch nach diesen Konzerten wird es für den Chor weitergehen. Der bevorstehende Wechsel an der Spitze löst daher nicht nur Wehmut, sondern auch so etwas wie Aufbruchstimmung aus. 25 Dirigenten haben sich um die für einen Chorleiter höchst attraktive Stelle an der Spitze des Bonner Kammerchors beworben. Namen werden freilich noch nicht genannt.

Bonner General-Anzeiger, 11.06.2005

»O Lamm Gottes unschuldig« – Musik zur Passion

Unter dem Titel »Wunderbar homogen und samtig weich« schrieb Bernhard Klaßen im : (...) »Agnus Dei – die vielfach wiederholte Anrufung mit der Bitte um Frieden in ganz verschiedenartigen Vertonungen des Messetextes gab dem Konzert den besonderen Ernst und wurde mit einer Innerlichkeit gesungen, die eine Atmosphäre von geradezu Feierlichkeit und Andacht in der Remigiuskirche erzeugte. Das in jeder Hinsicht herausragende Konzert zeichnete sich allein schon durch besonders gelungene Programmgestaltung aus: fünf Agnus-Dei-Vertonungen – drei mal 20. Jahrhundert, zwei mal um 1500 – jeweils im Wechsel mit fünf Sarabanden aus Bachs Cello-Solosuiten, gespielt von der junge Heike Schuch, das Ganze umrahmt von Messiaens »O sacrum convivium« und Knut Nystedts »Stabat mater« zum Abschluss. Besonders beeindruckte Pendereckis hochexpressives Agnus Dei von 1981 durch ergreifend herausgearbeitete Entwicklung zur Atonalität im scharfen Schmerz des »Peccata«-Aufschreis. Hier wirkte die musikalische Umsetzung niemals formal »ausgedacht«, sondern, bei höchstem technischen Können, stets als quasi natürlicher, aufrichtig empfundener Ausdruck. Der Chorklang hat sich in den letzten Jahren noch entwickelt,. ist wunderbar homogen und von samtig weicher, runder Tongebung in allen Registern. (...)«

Bonner General-Anzeiger, 16.03.2005

Chorjubiläum: 30 Jahre Bonner Kammerchor

Der Bonner Kammerchor feierte im Jahr 2003 sein 30jähriges Bestehen. Ein Höhepunkt der Festaktivitäten in jeglicher Hinsicht war das Jubiläumskonzert am 13. Juli. Wir zitieren aus der Kritik des Generalanzeigers vom 19. Juli 2003:

»Wanderkonzert« mit dem Bonner Kammerchor

Mit einem "Wanderkonzert" an fünf Bonner "Klangstätten" hat der Bonner Kammerchor sein 30-jähriges Bestehen gefeiert

Sophie Schütz

Bonn. Gemessen am durchschnittlichen Zulauf zu reinen Chorkonzerten war dies sicher ein "Mega-Event". Oder doch besser: ein Ereignis, ein Erlebnis. Jedenfalls mehr als ein Chorkonzert. Ein "Wanderkonzert" an fünf Bonner
"Klangstätten" hatte der Bonner Kammerchor zu seinem 30-jährigen Bestehen angekündigt. Es wurde ein perfektes Unternehmen, bei dem der Chor und sein Leiter Peter Henn die von Klangstätte zu Klangstätte zahlreicher werdenden Gäste an die schönsten Flecken von Bonn führte.

Zu jedem Ort hatte Henn die passende Musik ausgesucht. Motetten von Schütz und Bach für die barocke Kreuzbergkirche, europäische Madrigale für den Innenhof des Poppelsdorfer Schlosses, frühe Ein- und Mehrstimmigkeit aus der Entstehungszeit des Bonner Münsters, Jazz und Pop im Arithmeum und schließlich klangschöne Motetten der Romantik und Moderne in der Schwarz-Rheindorfer Doppelkirche, gesungen aus Ober- und Unterkirche.

Insgesamt rund 500 Besucher wanderten fast sechs Stunden lang von Ort zu Ort mit, standen bei Kaffee und Kuchen am Hofgarten beisammen und setzten mit der "Rheinnixe" in zwei Fuhren über den Rhein.

Gut gestimmt und sehr entspannt präsentierte Henn seinen Chor, der sich in allen Stilrichtungen hörbar wohl fühlte. Zwei "Eckpfeiler", die die Bandbreite des Chores deutlich machen: Das schwerelose Marienlob von Hildegard von Bingen, von den Frauenstimmen unter Leitung von Christian Eckelt aus der Apsis des Münsters gesungen, und der Chorsatz "Summertime", dem Chormitglied Gregor Laumann als Solist im Arithmeum den nötigen Blues gab.

15 bis 20 Minuten dauerte jedes Konzert – wohlschmeckende Häppchen, gerade so dosiert, dass das Publikum nie ganz satt wurde. Und so blieben nach dem letzten Konzert fast alle Gäste auf dem Kirchplatz, um den letzten Zugaben zu lauschen. Eine schöne Hommage des Kammerchores an seine Stadt. Die Mitglieder denken schon über weitere "Klangstätten" für die kommenden Jahre nach.

18.07.2003