Rezension: „Faszinierende Melange, perfekt präsentiert“

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(Quelle: Bonner Generalanzeiger)

Faszinierende Melange, perfekt präsentiert

Der Bonner Kammerchor bietet unter dem Motto „Songs“ im Stadtmuseum Kompositionen von Brahms bis Poulenc dar

Siegburg. „Der Sang, der klingt so schauerlich, der klingt so wild, so trübe…“ So heißt es in Brahms „Der Jungbrunnen“. Reiner Genuss war dagegen der Gesang, den der Kammerchor Bonn im Stadtmuseum Siegburg darbot. „Songs“ heißt schlicht das Programm der Sängerinnen und Sänger, dahinter verbirgt sich aber eine spannende und oft überraschende Mischung von Liedern durch alle Epochen und Stilrichtungen. Unter der Leitung von Philipp Ahmann entstanden Klangerlebnisse, wie sie nur ein sehr professioneller Chor bieten kann.

Eröffnet wurde der Abend von verspielten Liedkompositionen von Francis Poulenc. Französische Texte, volkstümliche Lieder und variantenreiche Stimmführung mit teils dramatischen Zuspitzungen trugen den Zuhörer davon. Der gemischte Chor interpretierte brillant die Mischung aus klassischer Kammermusik mit dadaistischen Elementen. Besonders bei „Les Tisserands“, einem Lied über Weber, wird diese faszinierende Verknüpfung deutlich. Das Publikum war begeistert. Brahms hingegen interpretiert der gemischte Chor klassisch. Chorleiter Ahmann führte die Sänger mit sicherer Hand, seine Erfahrung ist deutlich erkennbar. Die Flexibilität des Chors ist beachtlich, und der hohe Anspruch, mit dem hier gearbeitet wird, wurde beim Konzert des mittlerweile international bekannten Ensembles deutlich. Bedauerlich, dass die Ränge im Stadtmuseum nicht entsprechend gefüllt waren. Das Publikum durfte mit „Story“ von John Cage erleben, wie nur vier Textzeilen zu einen besonderen und äußerst überraschenden Hörerlebnis werden können. Cage gilt als Wegbereiter einer neuen Form von Musik und ist einer der bedeutendsten Komponisten der Neuzeit. Welch ein spannender Kontrast zu Brahms.

Ravel fand ebenso seinen Platz im Ablauf wie ein Werk von Max Reger, welcher in der Vertonung von „Königskinder“ ein Volkslied neu belebte und in seiner Kompositionsweise Brahms wieder näher ist. Ein überaus gelungener Kammermusikabend im Stadtmuseum Siegburg. Sollte es wieder zu einem Gastspiel kommen, so ist dem Chor ein größeres Publikum zu wünschen. Enttäuscht würde es ganz sicher nicht.

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